Schon in den ersten Lebensjahren können unsichtbare Bindungsverletzungen entstehen die unser gesamtes Leben prägen, beeinflussen und unbewusst steuern. Wird diese Prägung nicht aktiv bearbeitet, besteht die Gefahr, dass sie weiterhin hemmend wirkt, auch immer dann, wenn es um Beziehungen geht. Lange wurden Traumata – vielleicht auch manchmal um die Therapeuten und Therapeutinnen zu schützen – nur nach jahrelanger Vorarbeit bearbeitet, wenn überhaupt.
Für mich haben sich zwei therapeutische Methoden als besonders wirksam erwiesen.
Die Imagery Rescripting & Reprocessing Therapy (IRRT) ermöglicht es, traumatische Erinnerungen neu zu interpretieren. Dabei wird das frühere Erlebnis durch eine lebensbejahendere Version ersetzt, wodurch die einst unkontrollierbare Situation im gegenwärtigen Erleben veränderbar wird. Dieser Ansatz hilft, aus Ohnmacht in aktives Handeln überzugehen.
Umfassender ist die Narrative Expositionstherapie (NET), die einen klaren Rahmen bietet, um die eigene Lebensgeschichte zu reflektieren. Hierbei werden belastende „Steine“ und Verluste („Kerzen“) bearbeitet, während gleichzeitig positive Aspekte mit „Blumen“ gewürdigt werden. Dieser strukturierte Prozess fördert das Verständnis der eigenen Lebenslinie und unterstützt die Integration vergangener Erfahrungen in eine gesunde Gegenwart.
Beide Methoden zielen darauf ab, alte Wunden weiter zu heilen und das individuelle Potenzial für ein leichteres, freieres Leben freizusetzen. Eine besondere Quelle von Zufriedenheit kann frei werden, wenn die alten Lasten nicht mehr auf den aktuellen Beziehungen liegen.
